Christian Flügel Sieger beim Rügenbrücken Marathon


Unser Vereinsmitglied Christian Flügel startete am vergangenen Wochenende beim Rügenbrücken Marathon, einer von über 300 Veranstaltungen über diese Strecke in Deutschland. Hier sein persönlicher Bericht:

Ich möchte damit anfangen, dass ich 2015 bereits den Halbmarathon in Stralsund gelaufen bin. Damals hatte ich meine Eltern, die auf Rügen leben, mit meinem Besuch überraschen wollen. Da ich nicht gut trainiert war, konnte ich mit einer -für damalige Verhältnisse- guten Zeit von 1:20:30 h sogar den 2. Platz erreichen.
Was mich allerdings dazu bewegte, dort wieder zu laufen, war die Rügenbrücke. Dazu aber später mehr.

Um 07:00 Uhr frühstückte ich mit meinem Vater, sodass wir uns um 08:00 Uhr auf den Weg nach Stralsund machen konnten. Ich platzierte unterwegs noch meine Trinkflaschen, da mir das Trinken aus den Pappbechern noch nicht so locker von der Hand geht. Ich teilte mir 1 Liter auf vier Flaschen auf und legte sie an unterschiedlichen Punkten zurecht (Kilometer 7 – 16 – 26 – 35). Aufgrund der ebenso stattfindenden Fahrradtouristiktour hätte ich fast meinen Start verpasst. Das Parkhaus war völlig überfüllt. Jetzt hieß es: schnell aussteigen, den Rucksack mit Wechselklamotten abgeben und kurz warmmachen. Und ab zum Start. Aufregung kommt da nicht auf, man hofft nur inständig, rechtzeitig am Start zu sein.
Der Veranstalter bewirbt die Strecke so:
Als Marathonläufer erwartet euch eine anspruchsvolle Strecke. Ihr startet am Stralsunder Hafen, überquert die Rügenbrücke auf dem Weg auf die Insel Rügen, durchquert das beschauliche Dorf Altefähr und lauft weiter auf dem Küstenradweg bis Poppelvitz über den Bankewitzer Weg geht es am Hochufer entlang bis Rambin. Im Rundkurs über abwechselnd asphaltierte (80%) und befestigte (20%) Waldwege geht es dann von Rambin über das Hochufer wieder zurück bis nach Altefähr. Auf dieser Strecke könnt ihr den Blick auf die Rügenbrücke und die näherkommende Silhouette der Hansestadt genießen. Die Aussicht vom alten Rügendamm auf die Rügenbrücke wird euch dann noch einmal für die letzten Kilometer motivieren bis zum Ziel auf der Hafeninsel Stralsunds.
Wer Stralsund und Rügen kennt, weiß, dass es eine wirklich schöne Strecke ist, doch 80% davon sind nicht asphaltiert. Die Strecke macht von Kilometer 15 bis 21 und auf dem Rückweg von Kilometer 30 bis 36 eher den Anschein eines Singletrails aus Schotter und Sand, gespickt mit kleinen giftigen Anstiegen. Das Höhenprofil (180 hm) gibt nicht ganz wieder, wie schwer diese Strecke zu laufen ist. Im Vergleich dazu: New York wird meist mit 390 hm angegeben. Meinem Empfinden nach ist dort die Strecke einfacher zu laufen, bis eben auf die Queensborow Bridge.

Am Startpunkt nahm ich mir vor, ca. 04:00 min./km anzulaufen, da sich dies in den vorangegangenen Trainingseinheiten sehr gut angefühlt hatte. Am Vorabend ermutigte mich mein Trainer, 04:00 min/km über den Marathon durchzulaufen. Damit habe ich mich auch gleich in der Spitzengruppe wiedergefunden, denn diese sind mit 03:54 min./km für den ersten Kilometer nicht wirklich schnell angelaufen. Nach einigen Kurven bogen wir dann auf die Rügenbrücke (2.831 m lang) ab. Diese ist zu Beginn zu bewältigen und gar nicht so dramatisch wie das imposante Bauwerk vermuten lässt. Meine Pace lag bis zum höchsten Punkt der Brücke weiterhin bei 04:05 min./km. Dort oben ist es atemberaubend “GEIL” und man blickt über die halbe Insel. Die Brücke autofrei zu genießen, ist nur an diesem Tag möglich. Wahnsinn… man kommt sich vor, als würde man fliegen, denn ab jetzt wird es für die restlichen 1.800 m auf der Brücke richtig schnell.

Der weitere Verlauf war recht unspektakulär. Ab Kilometer 15 mussten wir hintereinander laufen, denn auf dem Schotteruntergrund ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten. Bis Kilometer 21 liefen wir in einer Dreiergruppe. Ab der Halbmarathonmarke konnte ich mich mit Piotr aus Polen leicht absetzen. Am Wendepunkt, bei Kilometer 26, musste ich meine Verpflegungsflasche aus dem Gras aufheben und Piotr nutzte die Chance, um sein Tempo zu forcieren. Das war für mich ein Zeichen, dass ich von meinem eigentlichen Plan abweichen muss. Ich brauchte 2 km, bis ich ihn wieder eingeholt hatte. Bei starkem Gegenwind (Windstärke 5 und mehr) konnte ich seine veranschlagte Pace halten und mich so etwas von ihm absetzen. Als ich mich kurz vor Kilometer 35 umschaute, hatte ich bereits ca. 200 m Vorsprung herausgelaufen. An dieser Stelle blickt man über das wunderschöne Stralsund (siehe Bild).

Ab diesem Zeitpunkt liefen wir wieder auf asphaltierter Strecke und ich konnte das Tempo nochmal etwas anziehen. Auf dem Rückweg über die Rügenbrücke erwischten uns heftige Böen. Trotz des nun höheren Tempos wurde ich dadurch wieder auf ein Tempo von 03:55 min/km abgebremst. Als wir dann etwas später in den Hafen zum Ziel einbogen, sah ich vor mir die erste Frau im Halbmarathon. Langsam verhärtete meine Muskulatur, doch mich packte der Ehrgeiz, die erste Frau noch einzuholen, was mir dann auch ca. 500 m vor dem Ziel gelang. Dort hatte ich auch die Hoffnung, in einer Zeit unter 02:45 Std. ins Ziel einzulaufen. Als ich auf die Zielgerade einbog, verabschiedete sich meine Fahrradbegleitung, um den Sieger des Marathons anzukündigen. Ca. 50 Meter vor dem Ziel jubelten mir meine Mutter und meine Großeltern zu. Alle waren aus dem Häuschen, als sie mich entdeckten. Mit neuer persönlicher Bestzeit von 02:45:20 Std. auf dieser nicht ganz leichten Strecke mit Sonne am Start, Wind und Nieselregen gegen Ende und dem Sieg eines Marathons war das für mich die Krönung des Tages. So richtig begreifen kann ich es bis heute noch nicht. Bisher schafften es nur drei Marathonis vor mir, diese Zeit zu toppen.

Fotostrecke

Und noch ein kleines Video!

Weitere Informationen findet ihr hier:
Ostsee Zeitung
https://de.wikipedia.org/wiki/Rügenbrückenlauf
Einen kurzen Bericht im NDR gab es dann für uns noch am Abend im TV zu bestaunen.
Meine aufgezeichneten Laufdaten findet ihr entweder bei Garmin oder bei Strava.

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